Vierzig Künstlerinnen für den Kunstomat


Die Auswahl von 40 Künstlerinnen ist von der Anzahl der Werke vorgegeben, die ich im Januar 2022 für den Kunstomat Hersbruck abgeben sollte. Die Auswahl ist sehr persönlich - und ich habe in diesen 40 längst nicht alle untergebracht, die ich bewundere. Ich habe bemerkt, dass viele der Malerinnen, die mich inspirieren, zu einem ähnlichen Zeitpunkt gelebt haben und dass ich einen bedauerlichen Mangel an nicht-weißen Künstlerinnen in dieser Aufzählung eingestehen muss.

Diese Künstlerinnen begleiten mich zum Teil schon sehr lange, es kommen aber auch immer neue hinzu. Ich finde sie als Künstlerinnen inspirierend, aber auch als Frauen, die sich zu ihrer Zeit ihren Weg gebahnt haben. Die Sätze zu den einzelnen Frauen sind wirklich nur Schnipsel, ebenso wie die Darstellung der Frauen dem Format von 5,5 mal 8 cm geschuldet, stark vereinfacht sind. Wer mehr lesen will und sich die Kunstwerke der Frauen ansehen, sollte das unbedingt tun! Die Fakten rund um die Künstlerinnen stammen aus Wikipedia, wo sich jede der Dargestellten findet.

Ein Großteil des Erlöses aus dem Verkauf der Schachteln wird an das Frauenmuseum Fürth gehen.

https://www.frauenindereinenwelt.de/


Sigrid Hjertén

(27.10.1885 bis 24.3.1948) war eine Vertreterin des schwedischen Expressionismus und einziges weibliches Mitglied einer Künstlergruppe, die sich mit dem „Blauen Reiter“ vergleichen lässt Ich mag es, wie sie mit zarten Farben, einem unbekümmerten Verhältnis zu korrekter Wiedergabe des menschlichen Körpers  und überwiegend weiblich bevölkerten Gemälden eine ganz eigene bildnerische Sprache findet


Maud Lewis

(7.3.1903 bis 30.Juli 1970) war eine kanadische Künstlerin. Weder von ihrer körperlichen Behinderung noch von ihrer fast zeitlebens anhaltenden Armut liess sie sich abhalten, unablässig zu malen. Anfangs verkaufte sie bemalte Weihnachtskarten für Centbeträge. Die Hütte, in der sie mit ihrem Mann bewohnte und in der sie jede verfügbare Oberfläche bemalt hat, steht als Gesamtkunstwerk in der Art Gallery of Nova Scotia in Halifax. Es gibt eine Verfilmung ihres Lebens mit Sally Hawkins und Ethan Hawke: „Maudie“. 


Mary Beale

(März 1633 bis Oktober 1699) ist eine englische Portraitmalerin, die zu einer Zeit, als Berufstätigkeit für Frauen noch ein Fremdwort war, die Familie mit ihrer Malerei ernährt hat. Obwohl sie keine formelle Ausbildung als Malerin erhalten hat, schrieb sie selbst ein Buch über Maltechniken. Es gilt als der erste „Lehrtext“, der je von einer Malerin geschrieben wurde.



Hildegard Fuhrer

(Geboren 1943) ist die Frau meines ehemaligen Kunstprofessors Hans Peter Reuter, der uns StudentInnen auf ihr Werk aufmerksam gemacht hat. Die zarte Farbigkeit und die unglaubliche Akribie, mit der sie Pflanzen, Gärten, Blumentöpfe Blatt für Blatt abbildet, hat etwas sehr Meditatives für mich.


Niki de Saint Phalle

(29.10.1930 bis 21. Mai 2002). Ich mag ihre selbstbewusst weiblichen überdimensionalen Nanas, die stereotypische Rollenbilder in Frage stellen und wie die Künstlerin traumatische Ereignisse in ihrem Leben in ihrer Kunst „angreift“. Ihren Fantasiegarten, den „Tarot Garten“ in der Toscana mit vielen überdimensionalen Figuren, möchte ich sehr gerne einmal besuchen.



Grandma Moses

(7.9.1860 bis 13.12. 1961) hat ihr Arbeitsleben zunächst als Haushälterin begonnen und  begann erst mit 78 Jahren zu malen und stellte auf ganz naiv-realistische Weise das Landleben in Nordamerika dar. Es gibt kein zu spät in der Malerei!


Berthe Morisot

(14.1.1841 bis 2.3.1895) Die impressionistische Malerin hatte eine Vorliebe für Szenen aus dem Familienleben. Eine einfache Handlung wie eine Frau, die ihr Haar hochsteckt, war bildwürdig für sie. Mein Lieblingsbild ist das Gemälde einer jungen Mutter, die an der Wiege ihres Kindes sitzt und ganz versunken das Kind betrachtet.


Gwen John

(22.Juni 1876 bis 18.9.1939) eine walisische Malerin, fertigte viele Frauenportraits an, die in sich gekehrt und mit einer reduzierten Farbpalette sehr schön sind. Es gab eine Zeit, wo sie mit einer Freundin durch Frankreich wanderte, in Feldern schlief und sich den Aufenthalt mit dem Verkauf von Portraitskizzen verdiente. Der Bildhauer Auguste Rodin war die Liebe ihres Lebens, sie hatte jedoch auch gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen.


Elisabeth Vigée Le Brun 

(16.4.1755 bis 30.3.1842) war eine richtige Celebrity-Malerin… im Rokoko! Zu ihren VIP-Portraits zählen eines von Marie Antoinette und eines von Lord Byron und als sie im Exil leben musste, gehörte die Zarenfamilie zu ihren Förderern. 


Artemisia Gentileschi

(8.Juli 1593 bis 31.1.1654) wurde von ihrem Vater in Malerei unterrichtet und entwickelte sich zur bedeutendsten Malerin ihrer Epoche. Sie überstand eine traumatische Vergewaltigung und den anschließenden Prozess und ihre drastischen Malereien zu biblischen Szene in dramatischem Hell-Dunkel lassen sie sich in einem von Männern dominierten Umfeld behaupten.


Louise Bourgeois

( 25.12.1911 bis 31.5.2010) hat absolut eindrucksvolle skulpturale Formen gefunden, um Ängste, Beziehungsgeflechte, Seelenzustände und psychologische Themen zu behandeln. Ihre käfigartigen „Zellen“ mit symbolisch aufgeladenen Gegenständen darin und ihre riesenhaften Spinnen, die eine positive Hommage an ihre Mutter darstellen und die so gar nicht zu dem negativ besetzten Image der Spinne passt, bewundere ich sehr.


Marianne von Werefkin

(10.9.1860 bis 6.2.1938) Für 10 Jahre hat die Russin Marianne von Werefkin ihre eigene Malerei beiseite gelegt, um Alexej von Jawlenskys Werk zu unterstützen. 1907 hat sie wieder angefangen, zu arbeiten und mit Jawlensky, Wassily Kandinsky und Gabriele Münter viel in Murnau am Staffelsee gemalt, einem meiner Lieblingsorte. Sie hat mit der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“ ausgestellt und hat ein beeindruckendes Spätwerk geschaffen. Ihr Mut im Umgang mit Farben ist bemerkenswert.


Zinaida Serebryakova

(12.12.1884 bis 19.9.1967) ist eine russische Malerin, deren frisches, pfiffiges Selbstportrait „At the Dressing table“ zu meinen absoluten Lieblingsbildern überhaupt zählt. Ihre Familienbilder haben etwas sehr Inniges, sie hat aber auch typisch russische Szenen gemalt und später den Orient bereist. Die Aufs und vielen Abs in ihrem Familienleben stellten große Herausforderungen dar.


Vanessa Bell

(30.5.1879 bis 7.4.1961) ist die Schwester von Virginia Woolf, für die sie alle Buchumschläge entworfen hat. Sie gehörte der englischen Bloomsbury Group an und führte mehr als turbulente Beziehungen. Absolut zauberhaft ist die Ausmalung Ausmalung ihres Landhauses Charleston in Sussex. Vom Lampenschirm über die Tapeten, das Geschirr und die Möbel ist dort alles bemalt, ein absolutes Gesamtkunstwerk!


Yayoi Kusama

(* 22.3.1929) Obwohl das Werk von Yayoi Kusama sehr verspielt wirkt, weil alle ihre Gemälde und Installationen mit Tupfen versehen und sehr farbenfroh sind, hat sie sich damit im Gegenteil ein Universum geschaffen, in dem sie ihre überwältigend erscheinenden Ängste in Schach halten kann. Ihre „Unendlichkeitsräume“, derzeit in der Tate Modern in London zu sehen, sind atmosphärisch und brillant im wahrsten Sinne des Wortes.


Elizabeth Sidall

(25.7.1829 bis 11.2.1862) Die rothaarige Schönheit aus einfachen Verhältnissen war ein Modell und eine Muse für die Künstlervereinigung der Präraffaeliten in England und hat für eines meiner Lieblingsbilder, „Ophelia“ von John Everett Millais, Modell gestanden oder präziser: gelegen. Sie hat aber auch selbst gedichtet und gemalt und zog dabei Inspiration aus einem idealisierten Mittelalter, so wie ihre Kollegen. Sie litt an Depressionen und hatte wenig Glück in ihrer Beziehung zu Dante Gabriel Rossetti.


Hilma Af Klint

( 26.10.1862 bis 21.10.1944) ist eine schwedische Vertreterin der abstrakten und mystischen Malerei. Theosophie und Antrosophie waren starke Einflüsse in ihrem streng geometrischen Oeuvre. Ihre Bilder durften erst 20 Jahre nach ihrem Tod erstmals gezeigt werden.



Frida Kahlo

(6.Juli 1907 bis 13.Juli 1954) ist heute fast ein Popstar der Kunst. Ihre schillernde Art, sich zu kleiden, zu schmücken und frisieren, die kleinen Äffchen und Hündchen, mit denen sie sich umgab, geben ihr eine Aura von lebensfrohem Individualismus. Dabei vergisst man fast, dass sie ihr Leben lang mit den Folgen eines schrecklichen Unfalls in jungen Jahren zu kämpfen hatte. Sie konnte keine Kinder bekommen und litt immer wieder unter Schmerzen, Einschränkungen und depressiven Phasen. Ich bewundere die Hartnäckigkeit, mit der sie ihre Kunst auch unter widrigen Umständen betrieb, ihre sensible und gleichzeitig schonungslose Art, Seelenforschung an sich selbst zu betreiben und diese bildlich umzusetzen und ihre Fähigkeit, dem Leben Freude abzutrotzen.


Camille Claudel

(8. Dezember 1864 bis 19.10.1943) Es ist für mich unglaublich, wie Camille Claudel Zartheit und weibliche Empfindsamkeit in Skulpturen aus Stein, Bronze und sogar dem sehr spröden Onyx umgesetzt hat. Ihre bildhauerischen Arbeiten sind voll Schwung, Bewegung und Sinnlichkeit und spiegeln ihre eigenen Gemütszustände. Ihre Familie konnte mit ihrer künstlerischen Tätigkeit und ihrem Lebensstil nichts anfangen und sie war oft sehr arm. Sie lebte gegen ihren Willen und auch gegen den Rat ihrer Ärzte ab dem Alter von 43 Jahren bis zu ihrem Tod in psychiatrischen Einrichtungen, von ihrer Familie weitgehend aufgegeben.


Mary Cassat

(22.Mai 1844 bis 14.Juni 1926) in Amerika geboren und in Frankreich tätig, malte wunderbare Bilder häuslicher Szenen und besonders der Beziehung zwischen Müttern und ihren Kindern. Sie pflegte ihre Meinung über die Frauen gegenüber ungerechte Behandlung der etablierten Kunstszene deutlich und manchmal beißend kundzutun und das half ihrer Karriere nicht gerade weiter. Edgar Degas lud sie ein, mit den Impressionisten auszustellen, die damals auch noch verächtlich beäugt wurden. Ihre Radierungen unter dem Einfluss japanischer Druckkunst sind einfach wunderbar, mit einer entschlossenen Linie, zarten Farben und einmal mehr weiblichen Themen.


Anna Waser 

(16.10.1678 bis 20.9.1714) gilt als die erste bekannte Schweizer Malerin. Ihre Eltern ließen sie in diesem Beruf ausbilden, was mehr als ungewöhnlich war. Mit einer hervorragenden Ausbildung sollte sie als Hofmalerin in Hessen beginnen - da wurde ihre Mutter krank und die Tochter pflegte sie. Die künstlerische Tätigkeit versiegte.


Marie Kroyer

(11.6.1876 bis 25.5.1940) war eine dänische Malerin und Architektin. Mit ihrem ersten Mann gehörte sie den Skagen-Malern an. Da sie selbst trotz der hohen Qualität ihrer Malerei den künstlerischen Durchbruch nicht schaffte, bahnte sie Künstlerinnen nach sich den Weg. Als Architektin ist der „Alfvensgarden“ am Siljansee, der Hof, den sie mit ihrem zweiten Mann bewohnte, ihr Hauptwerk.


Ursula Jüngst

(Geboren 1965) hat mit mir Kunst in der Klasse von Hans Peter Reuter studiert. Ihre farbigen, mit nervösem Strich gemalten Ölbilder, in denen fantastische Wesen hausten, haben mich von Anfang an verzaubert. Heute ist ihre Malerei, in der sie den mit Farbe voll beladenen Pinsel in energiegeladenen Strichen auf der Leinwand aufkommen lässt, der Inbegriff zeitgenössischer Malerei für mich. In diese Bilder könnte ich mich hineinlegen und wäre im Malerinnenhimmel.


Anna Ancher

(18.8.1859 bis 15.4.1935) war eine Gastwirtstochter aus Skagen in Dänemark, die sich dort der Künstlergemeinschaft anschloss. Obwohl die Gesellschaft damals Druck auf verheiratete Frauen ausübte, nach ihrer Hochzeit nicht mehr zu arbeiten, malte sie nach ihrer Eheschließung mit Michael Ancher und der Geburt von Tochter Helga weiter. Sie ist berühmt für häusliche und ländliche Szenen, Bilder von Freunden und der Fischergemeinschaft, erfüllt vom berühmten „Skagen-Licht“. Ihr Zuhause kann in Skagen besichtigt werden.


Marina Abramovic

(Geboren am 30.11.1946) ist eine serbischstämmige Performance-Künstlerin. Absolut unvergesslich ist mir ihre Performance „The Artist is present“ 2010 im Museum of Modern Art, New York. Drei Monate lang saß sie jeden Tag auf einem Stuhl, man konnte ihr gegenüber Platz nehmen und sie sah im Laufe dieser Aktion 1565 Besuchern intensiv aber scheinbar unbewegt für eine Minute ins Gesicht. Die Anstrengung ist ihr im Video anzusehen. Dabei gibt es einen besonders bewegenden Moment mit ihrem ehemaligen Partner Ulay (zu finden auf YouTube).


Sofonisba Anguissola

(1531 bis 16.1.1625) war die erfolgreichste Malerin der Rennaissance in Italien. Sie machte Karriere als Hofmalerin und traf die berühmten Künstler ihrer Zeit. Mein Lieblingsbild zeigt aber „Drei Schwestern beim Schachspiel“, das als erste Darstellung eines alltäglichen Szene in der Malerei Italiens gilt. Außerdem sehen die Kinder wie Kinder aus und nicht wie zu klein geratene Erwachsene. Und als i-Tüpfelchen lacht ein Mädchen „schadenfroh“, damals auch ein Novum.


Aleah Chapin

(Geboren 1986) ist mir auf Instagram aufgefallen. Vor allem haben mich ihre riesigen Gemälde mit Bildnissen alternder Frauen beeindruckt, wo jede Delle in der Haut, jedes Fältchen, jede Speckrolle oder hervorstechende Knochen so liebevoll und lebensfroh gemalt ist,  und die so innig und lebensbejahend miteinander agieren, dass jedes „Body Shaming“ verstummen muss. Seit Beginn der Coronakrise hat sie einen radikalen Wandel in ihrer Malerei vollzogen und kombiniert jetzt ihre altmeisterlichen Hautoberflächen mit scheinbar kruden Elementen, alles in ein magisches Licht getaucht. Wundervoll!


Gabriele Münter

(19.2.1877 bis 19.Mai 1962) war ein Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Blauer Reiter“, lebte und arbeitete viele Jahre mit Wassily Kandinsky. Neben ihren ikonographischen Gemälden, die das „Blaue Land“ um Murnau am Staffelsee verewigten, mag ich besonders ihr Haus, das „Russenhaus“ in Murnau, das liebevoll gestaltet und bemalt ist und einen wunderschönen Garten hat.


Rosa Bonheur

(16.3.1822 bis 25.Mai 1899) hätte man wohl zu ihren Zeiten als „Mannweib“ bezeichnet. Schon als Schülerin fiel sie mit ihrem Benehmen unangenehm auf. Später erwarb sie sich in Paris eine Sondergenehmigung, Hosen tragen zu dürfen, weil es in ihrem Beruf als Tiermalerin praktischer war. Außerdem schnitt sie ihre Haare kurz, rauchte und lebte offen ihre Beziehungen zu Frauen. Sie ebnete lesbischen und berufstätigen Frauen den Weg.

Ihre Porträts von Tieren sind umwerfend, voller Energie und anatomischer Kenntnis, geradezu wild. In ihrem Atelier war genug Raum auch für sehr große Tiere.


Käthe Kollwitz

(8.7.1867 bis 22.4.1945) hat sich in ihren zwischen Realismus und Expressionismus anzusiedelnden Zeichnungen und Drucken immer voll Empathie für die Arbeitenden, die Armen, die Elenden interessiert. Auch die Arbeiten, teils skulptural, die der Kriegstod ihres jüngeren Sohnes bei ihr angestoßen hatte, und die Trauer und die Beziehung zwischen Mutter und Kind behandeln, sind sehr berührend.


Suzanne Valadon

(23.9.1865 bis 7.4.1938) Die Pariserin Suzanne Valadon stammte aus ärmlichen Verhältnissen und arbeitete ab ihrem 11. Lebensjahr, u.a. als Kranzflechterin in einem Beerdigungsinstitut, als Gemüseverkäuferin und in einem Kurzwarengeschäft, ja sogar als Zirkusartistin. Mit 15 begann sie, Modell für einige der berühmtesten Maler des Impressionismus zu stehen und schaute sich einige der Maltechniken ab. Sie erhielt nie eine formelle Ausbildung und wurde doch als erste weibliche Künstlerin in die Société Nationale des Beaux-Arts aufgenommen. Sie hatte einen entschlossenen, linienbetonten Malstil und es heißt, dass ihre Akte näher am Menschen seien als die der männlichen Kollegen, weil sie selbst als Aktmodell gearbeitet hat. Sie hat 40 Jahre als anerkannte und geschätzte Künstlerin gearbeitet.


Paula Modersohn Becker

(8.2.1876 bis 20.11.1907) ist eine Malerin, deren sensible, in teils wuchtiger Vereinfachung gemalte Bilder von Frauen, Kindern, Müttern, aber auch Stillleben ich sehr mag und bewundere. Sie arbeitete in der Künstlergemeinschaft Worpswede, brachte aber auch Einflüsse aus häufigen Reisen nach Paris mit, wo sie die Impressionisten kennenlernte. Ihr Selbstbildnis als stehender Akt ist möglicherweise die erste nackte Selbstdarstellung einer Malerin. Tragischerweise starb sie nur wenige Wochen nach Geburt ihres ersten Kindes an einer Embolie und wurde nur 31 Jahre alt.


Tamara de Lempicka

(16.5.1898 bis 18.3.1980) wäre heute wohl ein Star in den sozialen Medien. Die in Polen geborene, aber hauptsächlich in Frankreich und den USA tätige Künstlerin  hat sich selbst in glatten, hoch stilisierten Selbstporträts in todschickem Outfit und mit eleganten Autos dargestellt- und ihre VIP-Kundschaft ebenso. Ihr Stil bewegt sich zwischen Kubismus und Jugendstil. Sie schreibt selbst: „ Ich war auf der Suche nach Technik, Handwerk, Schlichtheit und gutem Geschmack. Mein Ziel: Kopiere niemals!“.


Maria Sybilla Merian

(2.4.1647 bis 13.1.1717) eine Fränkin! Eine Nürnbergerin( durch Heirat)! Eine Weltreisende! Ihre Werke kannte ich schon als Kind, weil das Nürnberger Bekleidungshaus Wöhrl Weihnachtskarten mit ihren Motiven verschickte. Dass die naturalistische botanische Malerin und Zeichnerin ihre Motive, die Insekten, selbst sammelte, hielt und so genau beobachtete und das in ihren Zeichnungen festhielt, beeindruckt mich. Und dass sie als 52-jährige Frau auf Forschungsreise nach Surinam ging, auch.


Helene Schjerfbeck

(10.Juli 1862 bis 23.1.1946) Bemerkenswert, wie das Werk der finnischen Malerin im Lauf ihres Lebens einen radikalen Wandel vollzieht. Sie begann mit historisierenden Gemälden, meisterhaft und atmosphärisch, schuf naturalistische Genremalerei im Plein-Air-Stil und entwickelte im fortschreitenden Alter einen modernistischen, nahezu abstrakten Stil für ihre Porträts und Selbstporträts, in denen sie sich zunehmend als gebrechliche Frau darstellte. Sie malte nach einer langen Pause bis zu ihrem Tod. „Die Genesende“ von 1888 und das „Selbstbildnis mit schwarzem Hintergrund“ von 1915 sind zwei meiner Lieblingsbilder von ihr.


Rosa Loy

(Geboren 1958) ist eine Vertreterin der Neuen Leipziger Schule. Ich bewundere ihren Zugang zu einem ganzen Königinnenreich von inneren Bildern, in dem tatkräftige ebenso wie versonnen handarbeitende Frauen achtsam miteinander agieren und ihnen dabei kleine Fabelwesen und beseelte Natur zur Seite stehen. Als Lehrerin hat sie mir geholfen, meinem inneren Bilderschatz die Tür wieder zu öffnen.


Georgia O´Keeffe

( 15.11.1887 bis 6.3.1986), deren Eltern Milchbauern in Wisconsin waren, ist besonders bekannt für ihre wie enorm vergrößert wirkenden Blütenporträts, die erotisch angehaucht sein könnten, einen Assoziation, was sie stets ebenso ablehnte wie für feministisch erklärt zu werden. Sie wollte kein weiblicher Künstler sein, sondern schlicht ein Künstler. Erst in den letzten Jahren habe ich die kargen Landschaften kennen und schätzen gelernt, die sie spät im Leben in New Mexico anfertigte.


Anna Bilinska

(8.12.1854 bis 18.4.1893) war eine polnische Portraitmalerin. Mein Lieblingsbild ist ihr Selbstporträt von 1887, wo sie sich in wunderbaren Brauntönen als Malerin mit Palette und Pinseln in einer mit volkstümlich bestickten Schürze darstellt. Sie blickt den Betrachter freimütig und mit feinem Humor unter kräftigen Augenbrauen direkt an, die Haare unordentlich hochgesteckt, schimmernde Silberreife ums Handgelenk, eine Kornblume im Gürtel.



Alice Neel

(28.1.1900 bis 13.10.1984) malte zeitlebens Porträts, die sich durch eine freie Verwendung von Farbe und eine scharfe Beobachtungsgabe ebenso wie emotionale Intensität auszeichnen. Ihr Blick auf Frauen macht bewusst, wie stark diese Objekte des männlichen Blicks sind. Andy Warhol vertraute ihr so weit, dass sie ein Porträt des alternden Künstlers malen durfte, in dem er seine öffentliche Persona ablegte. Neel zeigt seinen nackten Oberkörper mit einem Korsett, das er wegen einer Schussverletzung tragen musste. Noch radikaler ist vielleicht ihr Selbstportrait als Frau von 80 Jahren, nackt und ohne die Zeichen des Alterns an ihrem Körper zu beschönigen. Neels Lebensumstände reichten von reich bis bitterarm, sie litt manchmal unter schweren Depressionen, ihre Kunst war anerkannt, dann wieder vergessen, dann wieder da. Nie hat sie aufgehört, Menschen ungeschönt, aber voll Empathie zu malen.